ROCKTOBER 2010 | Ein Tagebuch

ROCKTOBER-TOUR 2010 – Tag 1

Das L.A. in Cham. Nicht nur die Bar ist riesig, gute Burger gibt’s auch noch! Ein so gut gefüllter Magen ist an sich was feines, die aufkommende wohlige Müdigkeit verträgt sich jedoch leider nicht ganz mit der Tatsache dass eine lange Nacht bevorsteht: die erste Übernachtungsmöglichkeit ist geplatzt. Plan B: noch heute geht’s nach Ulm. Bandbusmobil funkskirt kann nun beweißen wie gemütlich es wirklich ist. Denn erst morgen Mittag geht’s rein ins Hotel. Bis dahin heißt es: abwarten und Bier trinken.
Und nach dem Spontanmitschnitt des Tontechnikers zu urteilen war es eine ziemlich tighte Geschichte unsererseits.

ROCKTOBER-TOUR 2010 – Tag 6

Wir blicken zurück.

Die ersten 5 Shows und 2000km liegen hinter uns. Relaxed und freudig erregt sitzen wir im “Lollis Hostel” in Dresden, waschen Wäsche, kaufen lustige Buttons, sichern den Weltfrieden und genießen unseren Off-Day.

Nach dem ersten Auftritt in Cham ging es in einer Nacht und Nebelaktion weiter nach Ulm. Wir verbrachten die erste Nacht in unserem urgemütlichen Bus bevor das wahrscheinlich schönste Hotel im unglaublich schönen Neu-Ulm die Pforten für uns öffnete. Der Eden Club, ein ehemaliges Kabarett-Theater (oder vielleicht auch mehr) bestach durch seine leicht angestaubte aber überaus gemütliche Bordell-Atmosphäre. Volles Haus, volle Menschen und eine voll konzentrierte Band.

Vom Heimweh geplagt zog es uns wieder in den Schwarzwald. Am 3. Oktober stand das Rainbow in Horb-Altheim auf dem Tourplan. Heimspiel! Besonders unsere angereisten weiblichen Fans sorgten dafür, dass der Lord Bishop an diesem Abend (und eigentlich die folgenden Tage) in bester Laune war und uns insgeheim bewundert – Danke dafür! ;-)

Leider mussten wir uns an diesem Abend von unserem “Mr. Cojones” Tilman Ruetz verabschieden, der seit Montag wieder die Schulbank drücken muss. Tilman, wir sehen uns in der Schweiz wieder!

Außerdem ließen wir unseren gemütlichen Band-Bus zurück und packten unsere süßen Ärsche in den Lord Bishop-Van. Ein Ford Transit mit unglaublichen aber wahren 700.000 Rock-Kilometern. Betet für uns!

Nach einem entspannten Sonntagabend-Gig in Rheinbach bei Bonn fuhren wir in der Nacht 600 km von West nach Ost und feierten so auf unsere Weise den Tag der deutschen Einheit. Gestern durften wir feststellen, dass unsere Ost-Deutschen Freunde auch Montagabends ordentlich feiern können. Ein prall gefülltes “Subway to Peter” in Chemnitz bildete den Abschluss des ersten Toursets.

Wir haben jetzt 14 Uhr, werden uns ein paar alte, aber funktionstüchtige Fahrräder ausleihen und Dresden unsicher machen. Das Ziel ist das Platzieren eines goldenen FUNKSKIRT Aufklebers in der Kuppel der Dresdner Frauenkirche.

Morgen geht es 450 km nach Ostrava in Tschechien und anschließend über Nacht geballte 900km nach Kiel. Sicherlich eine der härtesten Fahrten der Tour.

ROCKTOBER-TOUR 2010 – Tag 11

Das zweite Tourset mit vier Shows, mächtigen 2.200 km und 26 Stunden im Bus liegt hinter uns.

Nach den von Schlaglöchern geprägten Straßen und doch eher trostlosen kleinen Ortschaften Tschechiens erwies sich der „Templ music club“ in Ostrava als sehr schicke Location mit einem aufgeschlossenen tanzfreudigen Publikum. Nach einem genialen, feuchtfröhlichen Abend im tiefsten Osten Tschechiens zog es uns in den hohen Norden Deutschlands während die Zugvögel über uns in großen Formationen gen Süden flogen.

In Kiel wurden wir während eines kleinen Stadtrundganges schlagartig mit der vorherrschenden norddeutschen Kultur bzw. Redekunst konfrontiert. Beim Kauf eines Lachs-Brötchens konnten wir mit Erstaunen beobachten wie man in knapp zwei Minuten gefühlte 2356 Wörter zum Thema Räucherlachs verlieren kann. In der kleinen aber feinen „Schaubude“ erwiesen sich die Kieler dann als ordentlich rockbar. „Unterkunft-Highlight“ der bisherigen Tour war ganz klar die gemütliche und stylische Altbau-Wohnung von Bar-Besitzer „Dicky“.
In Schwerin standen wir als „Missionare des Funk“ einem stark von Ska, Punk und Hardrock geprägtem Publikum gegenüber und schafften es dennoch ein Lächeln und ein dezentes Kopfnicken hervorzurufen. „Jacko“, Bassist von Lord Bishop Rocks beschrieb die Situation wie folgt: „Es hat den Leuten total gefallen, sie wussten nur nicht so recht wie sie ihre Gefühle ausdrücken sollten!“
Bisheriges Show-Highlight der Tour war am gestrigen Abend die „Destille“ in Nordhausen. Gut 200 tanzfreudige, und teilweise überaus attraktive Besucher trieben uns zu ungeahnten Höchstleistungen an. Gewiss nicht der letzte Auftritt in dieser netten Location.
Jetzt sitzen wir wieder im „Lord-Van“ (aktueller Kilometerstand: 705.517) der uns erneut in Richtung Osten trägt, bei strahlendem Sonnenschein, vorbei an den malerischen Landschaften Thüringens mit dem Ziel Dresden. Morgen werden wir uns einen kleinen Ruhetag mit Saunabesuch und gemütlichem Jammen in diversen Dresdner Proberäumen gönnen, bevor es am Dienstag weiter nach St. Gallen in die Schweiz geht. Bei den ersten zwei Auftritten dort werden wir Neuland betreten und ein Acoustic-Set zum besten geben. Am kommenden Wochenende wird dann wieder ordentlich gerockt gemeinsam mit Tilman der für zwei Auftritte zu uns stoßen wird. Wir freuen uns!
Kleine Bilanz nach einem starken Drittel der Tour: Anstrengend entspannt – fordernd erfüllend.

„Es gibt im Leben viele Zeiten – das hier sind die Guten.“

Drückt uns die Daumen!

ROCKTOBER-TOUR 2010 – Tag 18

Frutigen, Schweiz, 10 a.m.
Wir erwachen in unserem gemütlich zünftigen Hotel in Frutigen, einem kleinen Bergdorf im Süden der Schweiz. Beim Blick aus dem Fenster zeigt sich der erste Schnee auf den mächtigen Gipfeln.
Rückblick.
Unser Schweiz-Set begann am Dienstag in der „cultbar“ in St. Gallen, regelmäßige Station von Lord Bishop Rocks. Die in der Schweiz gesetzlich verordnete Dezibel-Grenze von 96dB im Stundendurchschnitt wollte uns nicht so recht gefallen, was den völlig relaxt-gestressten Barbesitzer „Mike“ um seine Lizenz bangen ließ.
„Vom Überfluss etwas abgeben und dadurch reich werden.“ Diese Lebenseinstellung von „Conny“, dem Miterfinder des „Montagesschaums“, brachte uns drei entspannte Nächte in seinem „Rockhotel“ inklusive Flipperautomat und Eisenbahnromantik. Der 58-jährige in der Schweiz lebende Deutsche erwirtschaftet seinen Überfluss mittlerweile jedoch anderweitig. Das Cabrio in der Garage und der Whirlpool im Schlafzimmer laufen bei der Steuererklärung in dieser Branche gewiss unter dem Punkt „Geschäftsausgaben“.
In Langenthal erwartete uns am Tag darauf ein Stück Brasilien inmitten der Zentralschweiz – die „Tapas-Bar“. Das vorzügliche Essen, die portugiesische Sprache und die südamerikanische Wärme und Lebensfreude gaben uns das Gefühl in einer Bar Salvadors zu gastieren. Unser Akustik-Set hatte Premiere und fügte sich gekonnt in diesen einmaligen, entspannten und feurigen Abend ein.
Den freien Donnerstag verbrachten wir im „Rockhotel“. Schlaf Nachholen, der Flipperautomat, Conny’s Geschichten und die eigenständige „Erstellung“ einer Kartoffelsuppe füllten den Tag.
Zur „Cultbar-Jam Session“ am Freitag bekamen wir sehnsüchtig erwarteten Besuch aus Freudenstadt. Tilman reiste samt charmanter Begleitung an, sehr zur Freude von Lord Bishop. Gemeinsam mit teilweise sehr außergewöhnlichen Schweizer Musikern wurde gejammt was die 96dB hergaben. Am Ende war besonders Lord Bishop sehr sentimental und nicht nur die Damen wurden an diesem Abend von ihm mit feuchten Küssen beglückt.
Weniger emotional war das Publikum am folgenden Abend in Frutigen im Süden der Schweiz. Rhythmisches Bierglaswippen und lachende Gesichter verrieten uns zumindest dass es gefiel. Den Bereich vor der Bühne zu füllen war jedoch unmöglich. Selbst das Angebot einer gratis CD beim Betreten der Tanzfläche wurde von den etwas eigenen Bergbewohnern verschmäht. Als jedoch auch Lord Bishop Rocks Probleme hatte die Menge zu mobilisieren atmeten wir auf und akzeptierten diese interkulturellen Unterschiede. Klares Highlight dieser Location: Gerade einmal 25 Stufen bis zum Hotelzimmer.
Vor einer Stunde verabschiedeten wir unseren Besuch aus dem Schwarzwald. Ein kurzer Blick auf das Navigationssystem, liebevoll „Sammy“ genannt, zeigt erbarmungslos und eindeutig was uns heute erwartet: 1.200km – Fahrzeit 15 Std. – geschätzte Ankunftszeit 5 am – Ziel: Budapest!

ROCKTOBER-TOUR 2010 – Tag 22

Irgendwo in Österreich, 4 a.m.
Wir sitzen in unsere Schlafsäcke gehüllt im kalten Lord-Van, die Heizung ist kaputt, die Scheiben sind beschlagen. Dieses Fahrzeug hat in seinen 7 Jahren mehr Städte und Straßen Europas gesehen als wir es vermutlich je werden. Durch die Nacht fahren wir zurück in die Schweiz.
Vor knapp 8 Stunden rockten wir noch das „Rocktogon“ in Budapest und läuteten damit den wahrscheinlich feucht-fröhlichsten Abend der gesamten Tour ein. Aus reiner Gastfreundschaft mussten wir sämtliche Nationalgetränke wie „Palinka“ und „Unicum“ probieren, außerdem hatten wir auch hier, in Budapest, Besuch aus Freudenstadt, was gefeiert werden musste. Das tanzfreudige, offene und überaus attraktive ungarische Publikum rundete diesen perfekten Abend ab.
Am Tag zuvor waren wir zu Gast an einem Gymnasium in Szerencs, eine Stadt zwei Stunden entfernt von Budapest. Lord Bishop gab am Mittag vor knapp 500 kreischenden Schülern ein kurzes Akustik-Konzert in der Aula des Schulgebäudes, das eher den Anmut eines Gefängnisses besaß. Anschließend durften wir interessierten Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort stehen und von den geballten Erfahrungen unseres Rockstarlebens berichten. Auf eine spontane, ziemlich überzeugende Gesangseinlage der Ungarn konnten wir nicht gebührend reagieren und so blieb uns nur die Möglichkeit auf den Abend zu verweisen, an dem wir gemeinsam mit Lord Bishop Rocks in einer alten Burg ein Konzert gaben.
Unser freier Tag in Budapest war bestimmt von der vergeblichen Suche nach DEM ungarischen Gulasch. Abends bestaunten wir kulturell bedeutsame „alte Steine“ und genossen den malerischen Blick auf die hell erleuchtete Donaumetropole.
…doch alles sollte anders kommen!

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